Joy Denalane

Joy Denalane

Joy Denalane, geboren am 11. Juni 1973 als Joy Maureen Denalane in West-Berlin, ist eine deutsche Soul- und R&B-Sängerin, die Arrangements angloamerikanischer und afrikanischer Musik mit deutschen Texten verbindet.

Karriere

Joy wurde in Berlin-Schöneberg geboren und ist in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen. Sie war das dritte von sechs Kindern und erhielt den Namen Joy („Freude“). Ihr Vater, ein Südafrikaner, hatte sich während seines Studiums in Deutschland in Denalanes Mutter, eine Heidelbergerin, verliebt und war in Deutschland geblieben. Mit 16 Jahren zog Denalane von zu Hause aus, machte mit 22 ihr Abitur und widmete sich fortan der Musik.

Heute lebt Joy Denalane mit ihren beiden Söhnen in Berlin-Charlottenburg. Im Februar 2007 trennten sich Denalane und ihr Mann, der Musiker Max Herre. Sie blieben musikalisch verbunden und kümmerten sich gemeinsam um die Erziehung ihrer Söhne. Im März 2011 gaben Denalane und Herre bekannt, dass sie wieder zueinander gefunden haben.

Ihr damaliger Freund überredete Denalane im Alter von 19 Jahren zu einem Vorsingen, das ihr Engagements als Sängerin bei den Reggae- und Soulbands Culture Roots und Family Affair einbrachte. 1996 erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag als Solokünstlerin in der Formation Joy, Sugar & Cream, die 1997 eine von Martin de Vries produzierte Single veröffentlichte. Der Vertrag erwies sich jedoch als große Enttäuschung, da man Denalane keine musikalischen Freiheiten ließ und sie zu einer Popmusikerin machen wollte. Dieser Vertrag führte sie schließlich nach Stuttgart, wo Denalane erstmals mit den bekannten Produzenten DJ Thomilla und Tiefschwarz zusammenarbeitete und den Song Music schrieb.

Zu dieser Zeit suchte die Hiphop-Band Freundeskreis eine passende Sängerin für ihr Duett „Mit dir“ und fand sie in Joy Denalane. Das Liebeslied wurde 1999 zum Sommerhit, und Freundeskreis-Frontmann Max Herre wurde Denalanes Freund.

Freundeskreis feat Joy Denalane – Mit Dir

Denalane löste daraufhin den Vertrag mit ihrer Plattenfirma und tourte zwei Jahre mit der Band. Sie wurde Teil der FK Allstars, zu denen neben Freundeskreis auch Afrob, Gentleman, Sékou, Deborah von Sens Unik und Brooke Russell gehörten. Aus der gemeinsamen Tour entstand das Live-Album En Directo. Im Jahr 2001 unterschrieb sie mit Hilfe von Herre einen Vertrag bei Four Music, dem Label der Fantastischen Vier, bei dem zu dieser Zeit auch Freundeskreis unter Vertrag stand.

Denalane beschloss, ein Soul-Album auf Deutsch herauszubringen, da sie durch die Begegnung mit vielen deutschen MCs die Sprache neu für sich definiert hatte. Denalane begann mit der Arbeit an ihrem Debütalbum, auf dem sie ihre südafrikanischen Wurzeln zum Ausdruck bringen wollte. Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Freund und Produzenten Max Herre sowie den Co-Produzenten Don Philippe, Frank Kuruc, Tommy Wittinger und Tom Krüger.

Nach der Geburt ihres ersten Sohnes reiste Denalane nach Südafrika, um ihre Herkunft und die Geschichte ihrer Familie und ihres Landes zu erforschen. Dort gewann Denalane auch die Unterstützung vieler afrikanischer Musiker für ihr Album, unter anderem von Jazz-Musiker Hugh Masekela. Zurück in Deutschland verarbeitete Denalane ihre Reiseeindrücke in den Liedern Setho, gesungen in der südafrikanischen Sprache isiXhosa, Mamani (Mutter, Großmutter, weibliche Vorfahrin) auf Tsonga, ihrer Mutter gewidmet, dem Trauerlied Mathatha Agotlokamna mit den Mahotella Queens und Im Ghetto von Soweto. Dieses Lied besteht aus drei Strophen und ist ein Querschnitt durch die jüngste Geschichte Südafrikas. Er handelt von der Apartheid, dem Schüleraufstand in Soweto und den Passgesetzen bis hin zur Gegenwart und AIDS.

Die Musik ist funky mit afrikanischem Backgroundchor. Hugh Masekela spielt Trompete. Für ihren Sohn singt Denalane das Kinderlied und Höchste Zeit, in Wem gehört die Welt singt sie über die Diskriminierung von Schwarzen und Frauen, und in Vier Frauen interpretiert sie Nina Simones Four Women mit Sara Tavares von den Kapverdischen Inseln, Chiwoniso Maraire aus Simbabwe und der Freundeskreis-Sängerin Deborah neu.

Für ihren Vater nahm sie eine Coverversion des Billie-Holiday-Klassikers I Cover the Waterfront auf. Auch klassische Liebeslieder wie Miscommunication, das Oldschool-Stück Was auch immer und der Trennungsblues Geh jetzt finden sich auf Joy Denalanes Album. Sag’s mir wurde Denalanes erste Single. Mamani erschien am 3. Juni 2002 und stieg auf Platz acht in die deutschen Charts ein.

Joy Denalane absolvierte drei ausverkaufte Tourneen. Dabei wurde sie als „Herrscherin über Soul und Hip-Hop“ und „Königin des deutschen Soul“ bezeichnet. Sie arbeitete unter anderem mit Youssou N’Dour, tourte mit dem Jazztrompeter Till Brönner, gab Konzerte in New York und Philadelphia und war Gast in deutschen Fernseh- und Radiosendungen. Sie gewann einen Comet in der Kategorie „Best Hiphop/R&B National“ und wurde dreimal für den Echo nominiert.

2003 ging Denalane auf Akustik-Tournee, begleitet von den drei Musikern Dalma Lima (Perkussion), Frank Kuruc (Gitarre) und Fontaine Burnett (Bass). Am 11. März 2004 gab Joy Denalane ein Konzert im Berliner Tränenpalast. Unterstützt wurde sie neben ihrem Musikertrio von den Brüdern Matteo (Schlagzeug) und Lillo Scrimali (eybo) sowie Sebastian Studnitzky (Trompete). Dieses Akustik-Set wurde aufgenommen und im Herbst 2004 als Live-Album und -DVD veröffentlicht.

Nach den Aufnahmen zur DVD begann Joy Denalane mit der Arbeit an ihrem zweiten Studioalbum Born & Raised, dessen Songs sie im Sommer 2005 auf der Clubtour For the Love Tour präsentierte. Das Album wurde am 11. August 2006 veröffentlicht, die erste Single heißt Let Go. Im Gegensatz zu Mamani enthält es ausschließlich englischsprachige Songs.

Im April 2006 wurde das Label Nesola (Esperanto für „nicht allein“) von Denalane, Max Herre, Götz Gottschalk und Sophie Raml gegründet. Im September 2006 gab sie im Nikolaisaal in Potsdam ein Konzert mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg unter der Leitung von Scott Lawton. Im Frühjahr 2007 veröffentlichte Joy Denalane zusammen mit Lupe Fiasco in Großbritannien die Single Change. Sie trat 2007 auf verschiedenen Festivals in Großbritannien, Japan und Südafrika auf. Change schaffte es nicht in die britischen Charts. Im November 2008 trat Joy Denalane mit den Sängern Tweet, Dwele und Bilal zusammen mit dem MDR Sinfonieorchester, dem MDR Kinderchor und weiteren Begleitmusikern bei der Dresden Soul Symphony auf.

Am 20. Mai 2011 veröffentlichte Denalane ihr drittes Studioalbum Maureen. Im Vorfeld hat sie bereits einige Songs, unter anderem mit Max Herre als Gast, live eingespielt und als Videosessions im Internet veröffentlicht. Maureen ist nach Joy Denalanes zweitem Vornamen benannt. Die erste Singleauskopplung Niemand wurde als Rap-Version auf der CD des Magazins Juice veröffentlicht. Joy Denalane nahm Maureen in Berlin und Philadelphia auf, u.a. mit Produzent Steve McKie (Jill Scott), Bassist Tony Whitfield (Bilal), Ghostface und T.I. Produzent Jake One und Jazmine Sullivan Songwriter Anthony Bell. Eine Version des Albums mit englischen Texten wurde ein Jahr später veröffentlicht.

Am 3. März 2017 erschien das vierte Studioalbum mit dem Titel Gleisdreieck mit anschließender Deutschlandtour.

Joy Denalane stand 2020 als Gast bei „Inas Nacht“ auf der Bühne. In der beliebten Late-Night-Show, moderiert von Ina Müller im charmanten „Schellfischposten“ in Hamburg, präsentierte Joy Denalane ihre Musik.

Am 4. September 2020 erschien das fünfte Studioalbum von Denalane mit dem Titel „Let Yourself Be Loved“ beim amerikanischen Label Motown. Die neun Titel sind englischsprachig und im Stil der Soulmusik der 1960/1970er Jahre gehalten. Sie ist damit die erste deutsche Sängerin, die auf dem amerikanischen Traditionslabel Motown veröffentlicht. Denalane arbeitete seit 2015 an dem Album, das von Roberto Di Gioia produziert wurde. Der Song I Believe ist eine Zusammenarbeit mit BJ the Chicago Kid.

Darauf und auf dem Nachfolger „Willpower“ singt sie komplett auf Englisch. Mit „Willpower“ geht Denalane im Herbst 2023 wieder auf Tour.

Mit ihrer samtweichen Stimme hat sie dazu beigetragen, deutschen Soul endlich salonfähig zu machen und sich damit auch international einen Namen gemacht. In der Woche der Veröffentlichung von „Willpower“ wird bekannt, dass Joy 2024 neben Tim Bendzko, Sammy Amara, Eko Fresh, Emilio Sakraya und Eva Briegel von Juli bei „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ auf VOX unter der Moderation von Johannes Oerding teilnehmen wird. Gedreht wird in Südafrika, der Heimat ihres Vaters.

Joy Denalane – Fly By

Studioalben

  • 2002 Mamani
  • 2004 Mamani Live
  • 2006 Born & Raised
  • 2008 The Dresden Soul Symphony
  • 2011 Maureen
  • 2017 Gleisdreieck
  • 2020 Let Yourself Be Loved
  • 2023 Willpower