Mary Roos

Mary Roos

Mary Roos, geboren am 9. Januar 1949 in Bingen am Rhein als Marianne Rosemarie Böhm, geborene Schwab, ist eine deutsche Schlagersängerin. Ihren Durchbruch hatte Mary mit dem Lied „Arizona Man“.

Karriere

Rosemarie Schwab trat 1958 im Alter von neun Jahren bei einem Sommernachtsfest des Karnevalvereins im benachbarten Weiler vor mehr als 800 Gästen auf. Dabei wurde ein Plattenproduzent auf sie aufmerksam. Zuvor hatte sie bereits im Hotel Rolandseck ihrer Eltern Karl und Maria Schwab in Bingen gesungen. Mit neun Jahren veröffentlichte Rosemarie ihre erste Schallplatte. In dem Spielfilm Die Straße sang sie in einer Nebenrolle das Lied „Little Teenager Song“, das auf der B-Seite der Platte enthalten war. Als Künstlernamen verwendete sie ihren Vornamen.

Ab 1961 folgten weitere Aufnahmen für verschiedene Plattenfirmen. Rosemarie wurde in dieser Zeit künstlerisch von dem Produzenten Horst-Heinz Henning betreut. Er setzte vorwiegend Coverversionen oft ausländischer Hits, aber auch Volkslieder und seine eigenen Kompositionen als Material ein. Beim Songfestival von Knokke (Belgien) belegte Mary Roos 1963 den 2. 1966 nahm sie an den Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden teil und belegte Platz 6. Drei Jahre später nahm sie mit Die Legende der Liebe am Grand Prix RTL International teil. Im selben Jahr nahm sie mit Alles rutscht mir aus den Händen am Deutschen Schlagerwettbewerb teil.

Um der Mode zu folgen, wurde aus Rosemarie der international klingende Künstlername Mary Roos. Mary Roos‘ erste Langspielplatte, Die kleine Stadt will schlafen geh’n, erschien 1968. Es handelt sich dabei um eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Dresdner Mozart-Chor. Im Jahr darauf wurden bekannte Kinderlieder und gesungene Märchen aufgenommen. Die nächste LP von Mary Roos, Golden Love, enthielt eine Zusammenstellung vorangegangener Single-Titel. Bear Family Records veröffentlichte im Jahr 2011 die erste chronologische Zusammenstellung der Aufnahmen aus dieser frühen Schaffensperiode unter dem Titel Jugendsünden als 3-CD-Box.

Mary Roos hatte im Jahr 1970 mit dem Lied „Arizona Man“ ihren künstlerischen Durchbruch. Das Lied wurde von Giorgio Moroder und Michael Holm komponiert und war die erste deutsche Schlagerproduktion, bei der Synthesizer eingesetzt wurden. Im Intro des Liedes wurde beispielsweise ein Stylophone verwendet. Danach veröffentlichte sie mehrere LPs erneut bei Polydor und nahm auch für CBS auf.

1970 nahm Mary Roos erstmals am deutschen Vorentscheid zum Grand Prix Eurovision de la Chanson (Eurovision Song Contest) teil. Jedoch wurde Katja Ebstein ausgewählt, die bei der Endausscheidung in Amsterdam den dritten Platz mit dem Lied Wunder gibt es immer wieder belegte. Zwei Jahre später trat Mary Roos erneut beim Vorentscheid an und gewann mit einem anderen Lied. Mit dem Lied „Nur die Liebe lässt uns leben“ erreichte sie beim Grand Prix in Edinburgh den dritten Platz. Dadurch startete sie eine internationale Karriere, die ihr insbesondere Schallplattenaufnahmen und Auftritte in Frankreich ermöglichte.

Mary Roos – Nur die Liebe lässt uns leben

Ab Anfang der achtziger Jahre veröffentlichte sie die LP „Was ich fühle“ sowie Einzeltitel von verschiedenen Autoren, darunter Michael Kunze und Dieter Bohlen.

Ihre vorläufig letzte LP ‚Leben spür’n‘ erschien 1987. Nach der Geburt ihres Sohnes legte Mary Roos eine berufliche Auszeit ein. Erst 1992 veröffentlichte sie erneut ein Album mit dem Titel ‚Alles, was ich will‘ bei ‚da music‘. Ihr Vertrag mit dem Label besteht seitdem fort. Anfang 1999 platzierte sie sich mit ‚Leider lieb’ ich dich immer noch‘, der deutschen Version des US-Hits ‚Believe‘ von Cher, in den deutschen Top 100. Bis heute entstehen regelmäßig Alben mit Balladen, Up-Tempo-Nummern und teilweise autobiographischen Texten, meist in Zusammenarbeit mit Michael Reinecke und Alexander Menke.

2013 erschien bei Universal erstmals ein Album abseits der Schlagerszene: Denk was du willst. Unter der Produktion von Roberto di Gioia entstanden u.a. ein portugiesischer Titel von Caetano Veloso (O Leãozinho) sowie der französische Jacques-Brel-Klassiker Ne me quitte pas. Die Fotografien für das Booklet stammen von Jazz-Trompeter Till Brönner, der auch seine Komposition Adrian beisteuerte. Mary Roos ging erstmals in ihrer Karriere mit den Titeln dieses Albums auf eine ausverkaufte Solo-Clubtour.

Im Laufe ihrer langen Karriere hat Mary Roos viele talentierte Songwriter und Komponisten für ihre Songs engagiert. Unter diesen kreativen Köpfen finden sich bekannte Namen wie Dieter Bohlen, Frank Ramond, Michael Kunze, Ralf-Réné Maué, Bert Kämpfert und Michael Reinecke. Durch die Zusammenarbeit mit diesen Musikschaffenden konnte Mary Roos ein breites Repertoire an Songs entwickeln, das ihren unverwechselbaren Stil und ihre Vielseitigkeit als Künstlerin unterstreicht.

TV

1971 bekam Mary Roos ihre erste eigene Showreihe mit internationalen Stargästen, die den Titel Marys Music trug. Danach folgte die Sendung Hans im Glück – Die Mary-Roos-Show, in der sie bekannte Kinderlieder präsentierte. Außerdem trat sie in zahlreichen populären Musiksendungen dieser Zeit auf. Als erste deutschsprachige Künstlerin produzierte Jim Henson 1976 mit ihr eine eigene deutsche Fassung für eine Folge der Muppet Show. 1978 sang sie die Titelmelodie zur Zeichentrickserie Pinocchio. Außerdem erhielt sie die Personality-Show Maryland, die in 25 Länder verkauft wurde. Im selben Jahr sang sie den Song Kellerparty Twist für den Film Nebelmörder ein, der später in die Kinos kam.

In den 1970er Jahren übernahm sie am Stadttheater Münster unter der Regie von Samy Molcho in dem Musical Showboat die Rolle der Magnolia. Bis heute ist sie durch Fernsehauftritte und Tourneen auf deutschen Bühnen präsent. Mary Roos war 2008 musikalischer Gast in der beliebten Fernsehsendung „Inas Nacht“, moderiert von Ina Müller. Der Auftritt fand im Schellfischposten in Hamburg statt.

Von 2015 bis 2019 tourte sie gemeinsam mit Wolfgang Trepper in ihrem Programm ‚Nutten, Koks und frische Erdbeeren‘. In dieser Show zerlegten sie als ‚Schlagerhasser‘ die Produkte des Genres. Seit 2020 wird diese Fortsetzung mit mehr Prostituierten und mehr Kokain fortgesetzt. 2018 nahm sie neben Leslie Clio, Mark Forster, Rea Garvey, Marian Gold, Judith Holofernes und Johannes Strate an der fünften Staffel der VOX-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ teil.

Im Februar 2019 kündigte Mary Roos an, ihre musikalische Karriere im Alter von 70 Jahren zu beenden. Sie plant jedoch kein abruptes Ende, sondern wird bestehende Verträge noch erfüllen. Im Oktober 2019 gab sie ihr letztes Konzert im Rahmen des SWR4-Festivals in Stuttgart. Anfang November 2019 trat sie in der ARD-Show Schlagerbooom 2019 auf. Ursprünglich wollte sie ihren letzten Fernsehauftritt in der Sendung Schlagerchampions 2020 absolvieren. Florian Silbereisen initiierte eine Show beim MDR, in der Mary Roos nach 60 Jahren Bühnenlaufbahn verabschiedet wurde. Im Herbst 2022 erschien ihre Biografie Aufrecht geh’n: Mein liederliches Leben.

Zum Ende ihrer musikalischen Karriere ist es ihr gelungen, namhafte deutsche Songwriter wie Johannes Oerding, Pe Werner, Frank Ramond, Tobias Reitz und Sven Bünger sind nur einige der namhaften Künstler, die an diesem Album mit dem Titel „ABENTEUER UNVERNUNFT“ mitgewirkt haben.

Leben

Von 1969 bis 1977 war sie mit dem Franzosen Pierre Scardin verheiratet, der auch ihr Manager war. Von 1981 bis 1989 war sie in zweiter Ehe mit dem Musiker Werner Böhm verbunden, aus der der gemeinsame Sohn Julian (*1986) hervorging. Auch Böhm wurde in dieser Zeit Vater eines weiteren Kindes.

Neben ihrer erfolgreichen Karriere ist Mary Roos eng mit ihrer Familie verbunden. Ihre jüngere Schwester Monika, besser bekannt als Tina York, ist seit den 1970er Jahren ebenfalls eine etablierte deutschsprachige Sängerin.

Im Jahr 2017 wurde eine Autofähre zwischen ihrem Heimatort Bingen und Rüdesheim am Rhein auf ihren Namen getauft – eine Hommage an ihre Verbundenheit mit der Region. Heute lebt Mary Roos in Hamburg-Wellingsbüttel, wo sie weiterhin musikalisch und künstlerisch aktiv ist.

Mary Roos – Arizona Man

Studioalben

  • 1970 Arizona Man
  • 1972 Woraus meine Lieder sind
  • 1973 Lieber John
  • 1976 Mary Roos
  • 1977 Ich bin Mary
  • 1978 Maryland
  • 1981 Was ich fühle
  • 1987 Leben spür
  • 1992 Alles, was ich will
  • 1994 Mehr als ein Gefühl
  • 1997 Rücksicht
  • 1999 Mittendrin
  • 2001 Roosige Zeiten
  • 2003 Achterbahn
  • 2005 Leben
  • 2007 Hautnah
  • 2009 Gezeiten
  • 2011 Bis hierhin… und weiter
  • 2013 Denk was du willst
  • 2015 Bilder meines Lebens
  • 2017 Ab jetzt nur noch Zugaben
  • 2018 Abenteuer Unvernunft