Hammond-Orgel

Hammond-Orgel

Die Hammond-Orgel ist eine elektromechanische Orgel, die nach ihrem Erfinder Laurens Hammond benannt wurde! Ursprünglich entwickelt, um die Pfeifenorgel zu ersetzen, wurde sie in der Unterhaltungsmusik und im Jazz eingesetzt. Sie wurde auch als preisgünstiger Ersatz für Pfeifenorgeln in nordamerikanischen Kirchen verwendet und fand von dort aus Verbreitung in Rock, Rhythm and Blues, Soul, Funk, Ska und Reggae sowie Fusion! Die Hammond-Orgel konnte sich jedoch nicht als vollwertiger Ersatz für Pfeifenorgeln durchsetzen!

Sie erfreute sich größter Popularität in den 1960er und 1970er Jahren. Auch heute noch ist ihr unverwechselbarer Klang oder Nachahmungen dieses Klanges in der Populärmusik weit verbreitet! Das Modell B-3 in Verbindung mit einem Leslie-Lautsprechersystem wurde im Laufe der Jahrzehnte zu einem etablierten Instrument. Alle Instrumente haben zwei Manuale und ein Pedal! Der Tonumfang variiert je nach Modell. Das obere Manual wird als Swell und das untere als Great bezeichnet. Diese Bezeichnungen stammen aus der Pfeifenorgel und bedeuten Hauptwerk (Great) und Schwellwerk (Swell).

Geschichte der Hammond-Orgel

Laurens Hammond erfand um 1920 einen Wechselstrom-Synchronmotor für von ihm produzierte Uhren. Ab 1932 suchte er nach weiteren Anwendungsmöglichkeiten für diesen Motor. Inspiriert durch den Boom von Theater- und Kinoorgeln und angeregt von einem Firmenmitarbeiter, der Organist einer Kirchgemeinde war, kam ihm 1933 die Idee zur Konstruktion des Tonerzeugungsprinzips der Hammond-Orgel. Es ist wirklich faszinierend zu sehen, wie eine so einfache Idee zu einem so revolutionären Instrument geführt hat! Nach zahlreichen Experimenten mit einem Klavier beantragte er am 19. Januar 1934 ein Patent für dieses Instrument.

Das US-Patentamt erteilte ihm am 24. April 1934 das Patent für den Prototyp einer Verpackungsbox unter dem Namen Electrical Musical Instrument (US-Patent 1.956.350). Am 15. April 1935 wurde die Orgel bei einer Pressevorführung in der New Yorker St.-Patrick-Kathedrale vom Organisten Pietro Yon der Öffentlichkeit vorgestellt. Kurz darauf erhielt Henry Ford den Auftrag, sechs Orgeln zu bestellen.

Auch andere prominente Persönlichkeiten wie George Gershwin und Count Basie haben Orgeln bestellt. Im Laufe der Jahre hat sich die Orgel zu einem charakteristischen Instrument für bestimmte Musikstile entwickelt, insbesondere in Verbindung mit dem Leslie Lautsprecher-Kabinett. Dieses enthält rotierende Reflektoren, die einen schwebenden Effekt erzeugen (erfunden von Donald Leslie). Die Hammond-Orgel wird seit 1936 erfolgreich in Deutschland und anderen europäischen Ländern angeboten und konkurriert mit Edwin Weltes erfolgloser Lichttonorgel. Sie generiert unterschiedliche Tonhöhen mittels Zahnrädern mit unterschiedlicher Zahnzahl, die auf einer Welle mit konstanter Drehzahl rotieren. Die Orgel verwendet die additive Klangsynthese und wird über einen Orgelspieltisch bedient. Diese Prinzipien wurden bereits im Jahr 1900 im Telharmonium realisiert.

Aufbau der Hammond-Orgel

Zwischen 86 und 96 Tonräder mit unterschiedlicher Zähnezahl befinden sich auf dem Generator. Die Tonräder sind auf mehreren Stahlwellen gelagert, die in Bronzebuchsen sitzen. Die Stahlwellen sind 48 bei den Konsolen- bzw. 42 bei den Spinettmodellen. Die Magnetkerne der Tonabnehmer ragen nach vorne und hinten aus dem Gehäuse des Generators. Der Generator ist ungefähr halb so breit wie die ganze Orgel.

Die Lautstärke der Einzeltöne kann über den Abstand der Magnetkerne von den jeweiligen Tonrädern justiert werden. Die Tonräder sind nicht chromatisch nach Tonhöhe sortiert entlang der Hauptwelle angeordnet. Stattdessen sind sie in Kammern zu je vier Stück mit gleicher Übersetzung untergebracht. Zwei dieser Kammern, also insgesamt acht Tonräder, erzeugen die unterschiedlichen Oktavlagen der jeweiligen Töne. Die Töne werden über die Verdrahtung (Verharfung) mit den Kontakten der zuständigen Tasten verbunden. Der Signalpegel beträgt einige zehn Millivolt.

Die Bronzelager müssen kontinuierlich geschmiert werden. Ein Baumwollfaden (Docht) führt Öl zu jedem Lager des Tongenerators. Der Faden saugt das Öl aus einer mittig längs (parallel zu den Wellen) verlaufenden Ölrinne an der Oberseite des Generators durch Kapillarwirkung. Die Rinne (und auch das Scanner-Vibrato) wird über zwei kleine Trichter von oben mit Öl befüllt. Es wird empfohlen, geeignetes Öl mindestens einmal jährlich nachzufüllen, sodass es einige Millimeter hoch in den Trichtern steht.

Die Motor-Tongenerator-Einheit ist federnd im Gehäuse der Orgel aufgehängt, um akustisch zu entkoppeln. Bei der Auslieferung und größeren Transporten sollte jedoch eine Transportsicherung angebracht werden, ähnlich wie bei anderen Geräten mit federnd aufgehängten Massen wie Plattenspielern oder Waschmaschinen. Ein Kippen des Instruments ist unproblematisch. Es muss jedoch beachtet werden, dass bei der Ölung lediglich der Filz in der Ölwanne angefeuchtet wird. In der Wanne darf auf keinen Fall Öl stehen. Wenn die Orgel gekippt wird, würde das Öl überlaufen und den Vibrato-Scanner beschädigen.

Ton bzw. Klangerzeugung der Hammond-Orgel

Die Tonerzeugung der Hammond-Orgel beginnt im Generator. Dort rotieren stählerne Tonräder mit einem gewellten Rand vor elektromagnetischen Tonabnehmern. Der Rand des Rades entfernt und nähert sich periodisch dem Permanentmagneten, wodurch sich der magnetische Fluss ändert. Dadurch wird in der Spule eine Wechselspannung induziert.

Die Zähne haben eine Form, die zu einer sinusähnlichen Schwingung führt. Diese wird durch eine Filterschaltung weiter geglättet, sodass eine fast ideale Sinusform entsteht. Die Manuale, Zugriegel und der Scanner (Vibrato- und Chorusschaltung) leiten die erzeugten Wechselspannungen in der Größenordnung von einigen Millivolt. Am Ende der Verarbeitungskette befindet sich eine Verstärkerstufe, die das Tonsignal so weit verstärkt, dass ein Lautsprecher angesteuert werden kann.

Die Drehzahlen, die zur Tonerzeugung benötigt werden, werden durch ein Zahnradgetriebe mit zwölf verschiedenen Übersetzungen bereitgestellt. Die Tonräder auf den Tonradwellen drehen sich mit zwölf verschiedenen Drehzahlen, die näherungsweise den zwölf gleichstufig gestimmten chromatischen Tönen einer Oktave entsprechen.

Die Orgel wird mit einer Netzfrequenz von 60 Hz betrieben. Jedes Manual hat 61 Tasten (C-c4) und 91 aktive Tonräder. In diesem Beispiel soll näher auf die Verhältnisse eingegangen werden. Der sechspolige Synchronmotor dreht sich mit 20 Hz (1200 Umdrehungen pro Minute), wenn die Netzfrequenz 60 Hz beträgt. Die Tabelle zeigt die zwölf Übersetzungen der Zahnradgetriebe, die zugehörigen Töne der tiefsten Oktave der Orgel (Kontraoktave) mit ihren Frequenzen und Abweichungen zur gleichstufigen Stimmung. Die Tabelle enthält keine weiteren Informationen.

Liste berühmter Hammond-Orgelspieler

  • Akiko Tsuruga (Jazzorganistin)
  • Alan Hawkshaw (Mohawks, The Shadows)
  • Alan Price (The Animals, solo)
  • Al Kooper (Blues Project, Bob Dylan, Jimi Hendrix, Rolling Stones, solo)
  • André Brasseur
  • André Schwager (Jazzorganist)
  • Anthony Ventura
  • Baby Face Willette (Jazzorganist)
  • Barbara Dennerlein (Jazzorganistin)
  • Barry Goldberg
  • Bradley Joseph
  • Brian Auger (Jazz-, Fusion- und Rockorganist; Trinity; Julie Driscoll; Oblivion Express)
  • Carla Bley (Jazzorganistin)
  • Charles Elliot Kynard (Acid-Jazzorganist und Kirchenorganist)
  • Cherry Wainer
  • Cory Henry (Jazzorganist)
  • Daniel Mark Eberhard (Jazz-Musiker, Hammond-Endorser)
  • Danny Federici (E Street Band)
  • Dave Greenslade (Colosseum; Greenslade)
  • Derek Sherinian (Dream Theater)
  • Dieter Reith (Jazzorganist und -pianist)
  • Don Airey (Rainbow, Whitesnake, Deep Purple)
  • Dr. Lonnie Smith (Jazzorganist)
  • Eddy Louiss (Jazzorganist)
  • Eddie Hardin (The Spencer Davis Group; Hardin & York)
  • Emmanuel Bex (Jazzorganist)
  • Ethel Smith (Jazzorganistin)
  • Franz Lambert
  • Fred Böhler
  • Freddie Roach (Jazzorganist)
  • Gary Wright (Spooky Tooth, solo)
  • Georgie Fame (solo, Fame & Price, Bill Wyman)
  • Gregg Allman (Allman Brothers Band)
  • Gregg Rolie (Santana, Journey)
  • Graham Bond
  • Hanjo Gäbler (Gospelorganist)
  • Hans van Eijck (Organist und Songwriter von Tee Set)
  • Helge Schneider
  • Ian McLagan (Small Faces, The Faces)
  • Ingfried Hoffmann (Jazzorganist, -pianist, Komponist)
  • Jack McDuff (Jazzorganist)
  • Jackie Mittoo (The Skatalites, Studiomusiker des Studio One)
  • James Taylor Quartet
  • Jean Musy (Jazzorganist, Filmkomponist)
  • Jean-Jacques Kravetz (Frumpy; Atlantis; Udo Lindenberg)
  • Jens Skwirblies (Lake)
  • Jimmy Smith (Jazzorganist)
  • Joey DeFrancesco (Jazzorganist)
  • John Medeski (Medeski, Martin & Wood)
  • Jon Lord (Deep Purple; Whitesnake)
  • Keith Emerson (The Nice; Emerson, Lake and Palmer)
  • Ken Hensley (Uriah Heep)
  • Klaus Göbel (Jazzorganist)
  • Klaus Wunderlich
  • Larry Goldings (Jazzorganist, Pianist)
  • Larry Young (Jazzorganist)
  • Lou Bennett (Jazzorganist)
  • Matthias Bublath (Jazzorganist)
  • Matthew Fisher (Procol Harum)
  • Mick Weaver (Wynder K. Frog, Keef Hartley Band, Joe Cocker, Taj Mahal)
  • Mike Carr
  • Mike Finnigan
  • Mike LeDonne (Jazzorganist)
  • Peter Weltner (Blues-, Rock- und Jazzorganist)
  • Rachel Flowers
  • Raphael Wressnig (Jazz- und Bluesorganist)
  • Reuben Wilson (Soul Jazzorganist)
  • Rhoda Scott (Jazzorganistin)
  • Richard Holmes (Jazzorganist)
  • Richard Wright (Pink Floyd)
  • Rick van der Linden (Ekseption)
  • Rick Wakeman (Strawbs, Yes)
  • Rob Collins (The Charlatans)
  • Ronnie Foster (Jazzorganist)
  • Sam Yahel (Jazzorganist)
  • Shirley Scott (Jazzorganistin)
  • Sly Stone (Sly & the Family Stone)
  • Steve Winwood
  • Thomas Bauser (Jazzorganist)
  • T. C. Pfeiler (Jazzorganist)
  • Tom Canning
  • Tom Coster (Santana; Vital Information – Jazzorganist)
  • Tony Ashton (Remo Four, Ashton, Gardner & Dyke, Jon Lord, Family, Pete York)
  • Tony Banks (Genesis)
  • Tony Kaye (Yes; Badger)
  • Vincent Crane (The Crazy World of Arthur Brown; Atomic Rooster)
  • Walter Wanderley
  • Wild Bill Davis (Jazzorganist)
  • Wolfgang Riechmann (Streetmark)
  • Zoot Money (Zoot Money’s Big Roll Band, Eric Burdon & The Animals, Alexis Korner)

Hersteller von Hammond-Orgeln

  • Hammond Organ Company
  • Hammond-Suzuki
  • Korg Inc.
  • Nord Keyboards
  • Suzuki Musical Instrument Corporation
  • Viscount International

Kosten von Hammond-Orgeln

Die Kosten für eine Hammond-Orgel variieren je nach Modell, Zustand und Ausstattung. Grundsätzlich können sie jedoch recht hoch sein, da es sich um hochwertige Musikinstrumente handelt, die eine komplexe Technik und eine ausgefeilte Klangqualität bieten. Neue Hammond-Orgeln können mehrere tausend Euro kosten, insbesondere Modelle mit digitaler Technologie, die den klassischen Hammond-Sound emulieren. Gebrauchte Orgeln können je nach Alter, Zustand und Ausstattung etwas günstiger sein. Neben den reinen Anschaffungskosten müssen auch die Kosten für Wartung und Reparaturen berücksichtigt werden, um die Orgel in einem optimalen Zustand zu halten.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Hammond-Orgeln:

Spieltischorgeln: Diese Orgeln haben zwei Manuale mit je 61 (+ 12) Tasten (C-c4) und ein Basspedal (Vollpedal) mit 25 (C-c1) oder 32 (C-g1) Tasten. Dazu kommen vier neunstöckige Zugriegel (zwei pro Manual) und neun Presets pro Manual. Die farblich invertierten Tasten am linken Manualende dienen als Schalter zur Anwahl der Presets und Zugriegelsätze. Das Basspedal besitzt zwei Zugriegel (16′ und 8′). Die Spieltischmodelle waren vor allem für den Einsatz in der Konzert- und Kirchenmusik gedacht. Zu den bekanntesten Modellreihen gehören A100, B-3, C3 sowie RT3, D100, E100 und H100 (Liste unvollständig). Die „Kirchenmodelle“ wie z.B. die C3 hatten einen verschließbaren Deckel über der Tastatur.

Spinettmodelle: Diese Orgeln haben in der Regel zwei Manuale mit je 44 Tasten (F-c3), einen Satz Zugriegel pro Manual, wenige oder keine Vorzüge und ein zwölftöniges (C-H) oder dreizehntöniges (C-c) Stummelpedal. Das Untermanual ist nur sieben- oder achtchörig, wobei die subharmonischen Register (16′ und 51/3′) fehlen können. Spinettmodelle wurden hauptsächlich für den Hausgebrauch entwickelt. Die wichtigsten Vertreter sind die Serien L100, M3, M100 und T100. Die Konsolenmodelle verfügen zusätzlich über ein „Harmonic Foldback“, das bei den Spinettmodellen nicht vorhanden ist. Daraus ergeben sich grundlegende klangliche Unterschiede zwischen den beiden Modelltypen.