Bratsche/Viola

Bratsche

Die deutsche Bezeichnung „Bratsche“ (italienisch „viola“, französisch „alto“) bezieht sich auf das auch „Viola“ genannte Streichinstrument, wobei „Viola“ ein Überbleibsel der historischen Bratschenfamilie des 16. und 17. Jahrhunderts ist. Die Viola ähnelt äußerlich einer vergrößerten Violine, unterscheidet sich jedoch in den Proportionen, ist in der Stimmung tiefer (als Altinstrument im Vergleich zur Violine) und erzeugt einen dunkleren Klang. Der Name „Viola“ leitet sich vom italienischen „Viola da braccio“ (Armgeige) ab und bezieht sich auf die Art und Weise, wie der Spieler die Viola spielt, im Gegensatz zur „Viola da gamba“ (Kniegeige), deren Spieler als „Gambist“ bezeichnet wird.

Geschichte

Im Gegensatz zur Bezeichnung „Bratsche“ weist die alternative Bezeichnung „Viola“ auf die lange historische Entwicklung der Bratsche innerhalb der Instrumentenfamilie der Violen hin, die sich in Viola-da-braccio-Instrumente (Armgeige) und Viola-da-gamba-Instrumente (Beingeige) unterteilt. Ein wesentlicher Unterschied zwischen diesen Instrumentengruppen besteht darin, dass die Viola-da-braccio-Instrumente keine Bünde (Unterteilung der Saiten für die Tonhöhe) wie die Viola-da-gamba-Instrumente haben. Die ‚Violen‘ hatten im 16. und 17. Jahrhundert ihre Blütezeit in der vielstimmigen Musik des Streicherconsorts. Später entwickelte sich aus diesem Consort die Violinfamilie mit Violine, Viola und Violoncello, als die Spielweise gesteigert wurde. Diese Umformung begann mit der Praxis des solistischen Geigenspiels zu Beginn des 17. Jahrhunderts.

Im 18. Jahrhundert versuchte man, das Instrument zu modifizieren. Einer dieser Versuche war der von Michel Woldemar gebaute Violon alto, eine fünfsaitige Bratsche, die dem im selben Jahrhundert gebauten Violino pomposo ähnelte und um das doppeltgestrichene e erweitert wurde. Heinrich Dessauer (1863-1917), ein Schüler von Joseph Joachim, beschäftigte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Erweiterung des Klangspektrums der Bratsche.

Aufbau

Der Klang der Viola hat seinen Ursprung und seine Besonderheit darin, dass der höchste Ton der Viola eine Quinte tiefer liegt als der der Violine (Verhältnis 2:3). Daher kann der Korpus der Viola im gleichen Verhältnis größer sein als der der Violine (ca. 36 cm), nämlich ca. 54 cm.

Es ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung, dass die Bratsche einen kleineren Korpus hat, als es die Physik nahelegt. Eine wichtige Rolle, auf die Rücksicht genommen werden musste, spielte das Verhältnis der menschlichen Körpergröße zum Instrument. Je größer das Instrument, desto mehr wird der linke Arm gestreckt, desto kleiner wird der physiologisch mögliche Radius der Armbewegung nach innen (Supination), um die Saiten zu greifen.

Ein größerer Instrumentenkorpus, wie er bei der Bratsche verwendet wird, bedeutet eine größere Mensur (schwingende Saitenlänge), was zu größeren Tonabständen führt. Beim Spielen der Viola sind die Finger der Greifhand ständig gespreizt und müssen gleichzeitig entspannt sein, um die erforderliche Fingerfertigkeit zu gewährleisten. Schon auf der kleineren Violine erfordert das Spiel eine starke Einwärtsdrehung des linken Arms. Die Viola belastet den Halteapparat aus Arm, Rücken und Schulter ungleich stärker. Die ausgeprägte Supination des Armes kann bei falscher Spieltechnik zu Muskelverhärtungen und Schleimbeutelentzündungen im Ellenbogengelenk führen.

Spieltechnik

Im Barock wurde die zweittiefste Stimme in mehrstimmigen Streichersätzen auf der Viola tenore gespielt, einem Instrument mit einer Korpuslänge von etwa 48 cm. Die Mittelstimme hingegen wurde auf der Viola alta gespielt, die den heutigen Bratschen mit einer Korpuslänge von 40 bis 42 cm ähnelt. Diese historischen Instrumente wurden jedoch im 18. Jahrhundert aufgrund der gestiegenen technischen Anforderungen verkleinert, um den Bedürfnissen der aufkommenden Klassik gerecht zu werden.

Heute werden die klanggebenden Mittelstimmen, für die früher eigene Bratschen gebaut wurden, von der Viola (und dem Violoncello) übernommen. Die Rückbesinnung auf die historische Klangästhetik und Spielweise durch die Verwendung von Nachbauten alter Violinen führt jedoch zu einer Wiederbelebung der ursprünglichen Instrumentenvielfalt.

Instrument des Jahres 2014

Die Bratsche wurde vom Landesmusikrat zum Instrument des Jahres gewählt. Mit dieser Auszeichnung wird die Bedeutung und Vielseitigkeit sowie die musikalische Ausnahmestellung der Bratsche gewürdigt.

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