Violoncello/Cello

Violoncello

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Das Violoncello, kurz Cello, ist ein Streichinstrument aus der Gruppe der Saiteninstrumente, das aus verschiedenen Hölzern der Familie der Viola da braccio hergestellt wird. Dieses Instrument entstand nach 1535 in Norditalien.

Das Violoncello gehört zu den Streichinstrumenten und wird mit einem Bogen gestrichen, seltener mit den Fingern gezupft. Der Cellist hält das Instrument aufrecht (mit dem Hals nach oben) zwischen den Beinen, im Gegensatz zu Violine und Viola. Heute steht es meist mit einem ausziehbaren Stachel auf dem Boden.

Geschichte

Das Violoncello ist der Bass in der Familie der Viola da braccio, einer Streichinstrumentengattung, die sich im 15. und 16. Jahrhundert parallel zu den Gamben entwickelte. Zu dieser Familie gehören auch die heutigen Violinen und Violen, alle mit drei oder vier in Quinten gestimmten Saiten.

Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts sind vier Saiten üblich. Typische Stimmungen für das Bassinstrument waren F-c-g, B1-F-c-g und C-G-d-a. Die B1-Stimmung hielt sich in Frankreich und England bis etwa 1715-1720, in Bologna war bis 1700 die C-G-d-g-Stimmung üblich. Ab etwa 1730 dominierte in ganz Europa die Quintstimmung auf dem Ton C.

Die frühen Bassgeigen wurden gelegentlich bei Prozessionen mitgeführt, wobei sich im Boden der Instrumente Löcher befinden, durch die vermutlich eine Schnur gezogen wurde. So konnten die Musiker auch im Stehen oder Gehen diese Geigen spielen.

Berühmte Geigenbauer des 16. Jahrhunderts wie Andrea Amati, Gasparo da Salo und Giovanni Paolo Maggini bauten solche Instrumente. Im 17. Jahrhundert prägte Antonio Stradivari die Größe des Klangkörpers, aber auch Domenico Montagnana und Matteo Goffriller trugen zur Weiterentwicklung bei.

Neben den traditionellen viersaitigen Instrumenten entstanden um 1700 auch fünfsaitige Modelle. Michael Praetorius erwähnt bereits 1619 eine fünfsaitige Bas-Geig de bracio. Solche Instrumente werden heute als Violoncello piccolo bezeichnet. Im Gegensatz zur Gambe erhielten einige Violoncelli kurz nach 1600 einen Stachel an der Unterseite des Korpus. Der Stachel wurde ab etwa 1820 zunehmend im Orchester eingesetzt. Die Größe der Violoncelli war im Barock nicht einheitlich, es gab Instrumente in verschiedenen Größen, angepasst an die Bass-, Bariton- und Tenorlage. Eine Sonderform sind die Reisecelli, zerlegbare Instrumente, die als Transportbehälter dienten. Solche Instrumente wurden auch von Soldaten im Ersten Weltkrieg gespielt und sind als Trench Celli bekannt.

Aufbau

Für den Bau eines Violoncellos werden verschiedene Klanghölzer verwendet. Fichte für die Decke und die Innenwände, meist Ahorn für den Korpusboden, die Zargen, den Hals und den Wirbelkasten (gelegentlich auch andere Harthölzer wie Kirsche, Birne, Nussbaum oder Pappel). Die Saiten verlaufen von den Wirbeln über den Obersattel und den Steg zum Saitenhalter im unteren Drittel des Korpus, wobei Griffbrett, Wirbel und Saitenhalter aus Ebenholz oder anderen Harthölzern wie Buchsbaum oder Palisander gefertigt sind. Der Steg, ein kunstvoll gearbeitetes Holzplättchen mit Einkerbungen für die Saiten, ist in der Mitte des Korpus mit zwei Füßen senkrecht auf der Korpusdecke angebracht. Im Inneren des Korpus befinden sich der Stimmstock und der Bassbalken.

Der Aufbau des Violoncellos ähnelt weitgehend dem der Violine, der Hauptunterschied besteht in dem ausziehbaren Stachel, der es dem Instrument ermöglicht, auf dem Boden zu stehen. Dieser Stachel besteht meist aus Metall, gelegentlich auch aus Holz oder kohlefaserverstärktem Kunststoff. Die frühere Bezeichnung „Perno“ für den Stachel ist heute nicht mehr gebräuchlich.

Ton bzw. Klangerzeugung

Der Ton des Violoncellos wird durch die Schwingungen der Saiten erzeugt, die durch den Bogen oder durch Zupfen mit den Fingern (Pizzicato) hervorgerufen werden. Der Steg überträgt die Schwingungen auf die Decke des Korpus, der Stimmstock zwischen Decke und Boden. Der gesamte Korpus verstärkt den Klang, indem er die Luft in Schwingung versetzt und den Schall nach außen und innen abstrahlt. Die seitlichen Schalllöcher (F-Löcher) erhöhen die Resonanzfähigkeit der Decke. Durch Herunterdrücken der Saiten wird die Tonhöhe variiert, und im Gegensatz zur Viola da Gamba gibt es keine Bünde auf dem Griffbrett, was eine genaue Platzierung erfordert und ein geschultes Haltungs- und Bewegungsgedächtnis sowie ein gutes Gehör voraussetzt.

Spieltechnik

Das Violoncello wird heute überwiegend sitzend gespielt, an vier Punkten stabilisiert: dem Stachel am Boden, den Zargen an den Innenseiten der Knie und dem oberen Ende des Korpus am Brustbein. Das Violoncello ist leicht geneigt, so dass der Hals mit dem Griffbrett über der linken Schulter liegt und der Spieler aufrecht sitzen kann. Die linke Hand greift die Saiten, während die rechte Hand den Bogen führt. Obwohl vom 16. bis zum 18. Jahrhundert einige Musiker das Violoncello im Stehen spielten und sich dabei auf einen Hocker stützten, ermöglichte erst der Arnold Cello Stand im 20. Jahrhundert.

Instrument des Jahres 2018

Das Violoncello/Cello wurde von den Landesmusikräten zum Instrument des Jahres 2018 gewählt. Diese besondere Auszeichnung würdigt die Bedeutung und Vielseitigkeit des Violoncello/Cello sowie seine herausragende Rolle in der Musik.

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