Wencke Myhre

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Wencke Myhre – Schlager, Leidenschaft und Popkultur

Seit den 1960er Jahren gehört Wencke Myhre zu den prägenden Stimmen des europäischen Schlagers. Mit einem frühen Plattenvertrag ausgestattet, entwickelte sie sich vom norwegischen Nachwuchstalent zur festen Größe auf dem deutschen Schlagermarkt. Ihr Durchbruch bei den Schlagerfestspielen in Baden-Baden mit „Beiß nicht gleich in jeden Apfel” und ihr Beitrag zum Eurovision Song Contest (ESC)Ein Hoch der Liebe” machten sie international bekannt. Mit Evergreens wie „Er hat ein knallrotes Gummiboot” schrieb sie Popgeschichte und erhielt für „Gi meg en Cowboy til mann” ihre erste Goldene Schallplatte. Wencke Myhre steht bis heute für musikalische Leichtigkeit mit professioneller Substanz und kultureller Reichweite.

Musikalische Herkunft: Die frühen Jahre und der erste Plattenvertrag

1947 als Wenche Synnøve Myhre im norwegischen Oslo-Kjelsås geboren, trat sie erstmals als Kind mit der Familie öffentlich auf und stand bereits mit sieben Jahren auf der Bühne. Der entscheidende Wendepunkt kam 1960, als die damals 13-Jährige den Talentwettbewerb „Chat Noir“ gewann und ihren ersten Plattenvertrag beim norwegischen Produzenten Arne Bendiksen unterschrieb – ein frühes Bekenntnis zur professionellen Musik.

In den folgenden Jahren war sie im Fernsehen präsent, landete Hits in den norwegischen Charts und debütierte Ende 1963 mit Elskere im Film. Diese frühe Diversität zwischen Bühne, Studio und Bildschirm legte den Grundstein für eine Karriere, die weit über reine Schlagermusik hinausging.

Der Durchbruch – Deutschland, Eurovision und „knallrotes Gummiboot“

1964 begann die Phase, in der Wencke Myhre das deutsche Publikum eroberte: Der NDR verpflichtete sie für einen Auftritt in der „Aktuellen Schaubude“ und bei Polydor erschien ihre erste deutsche Schallplatte „Hey, kennt ihr schon meinen Peter?“. – ein entscheidender Schritt in die Musiklandschaft der Bundesrepublik.

Ein Jahr später kam der große Durchbruch: Bei den Deutschen Schlagerfestspielen 1966 sicherte sie sich mit „Beiß nicht gleich in jeden Apfel” den Sieg und etablierte sich als feste Größe auf dem deutschen Schlagermarkt. Noch im selben Jahr veröffentlichte Polydor ihre erste deutschsprachige Langspielplatte „Wencke Myhre“.

1968 vertrat sie Deutschland beim Eurovision Song Contest mit dem Lied „Ein Hoch der Liebe“ und belegte den respektablen sechsten Platz – ein Statement, das ihre internationale Popularität unterstrich.

Das darauffolgende Jahrzehnt war von Hits wie „Er steht im Tor” und dem legendären „Er hat ein knallrotes Gummiboot” geprägt – letzteres avancierte zu einem Dauerbrenner und Symbol für ihre Kunst, leichte Melodien mit ironischem Charme zu verbinden.

Stilistische Ausrichtungen: Genregrenzen, TV-Shows und Live-Performances

Als Schlagersängerin war Myhre nie eindimensional: Ihre Lieder variierten von klassischem Schlager über poppige Elemente bis zu musikalischen Revue-Momenten. Sie wurden stets von einer unverwechselbaren Stimme getragen und zeigten die Fähigkeit, kulturelle Nuancen in verschiedenen Sprachen – Deutsch, Norwegisch, Schwedisch und Dänisch – einzufangen.

Parallel zu ihrer Musikkarriere etablierte sie sich als TV-Entertainerin. In der ZDF-Show „Das ist meine Welt“ zeigte sie eine künstlerisch reflektierte, persönliche Seite und verband musikalische Darbietungen mit visuellen Reiseelementen. Später tourte sie gemeinsam mit Gitte Hænning und Siw Malmkvist in der Show „Gitte, Wencke, Siw“. Deren Live-CD schaffte es in die Top 100 und wurde mit einer Goldenen Stimmgabel ausgezeichnet.

Im Film zeigte sie ihr komödiantisches Talent, etwa in „Unsere Pauker gehen in die Luft“ (1970), und blieb auch Jahrzehnte später auf der Bühne präsent – eine Künstlerin, die sich nicht hinter einem Genre versteckte, sondern dessen Grenzen bewusst auslotete.

Zusammenarbeit und künstlerisches Netzwerk

Myhres Karriere ist durch kollektive Prozesse geprägt: Sie trat in zahlreichen Musikshows des deutschen Fernsehens mit Stars wie Peter Alexander und Udo Jürgens auf. Dadurch erweiterte sich nicht nur ihre Reichweite, sondern auch ihr künstlerischer Austausch.

In späteren Projekten verband sie sich mit skandinavischen Kolleginnen zu gemeinsamen Bühnenformaten, die Show- und Musikästhetiken zusammenführten und den Schlager als lebendige Performancekunst feierten. Auch ihre Studioaufnahmen mit orchestralen Arrangements – etwa unter der Leitung von James Last – zeugen von der Sorgfalt, mit der Myhre musikalisch arbeitete.

Wencke Myhre: Eine Stimme, die über Generationen wirkt

Wencke Myhre ist weit mehr als eine Schlagersängerin: Sie ist ein Beispiel dafür, wie Kunst und Unterhaltung verschmelzen können, ohne dabei die künstlerische Integrität zu verlieren. Vom ersten Plattenvertrag im Teenageralter über nationale und internationale Bühnen bis zu langlebigen Hits wie „Knallrotes Gummiboot“ hat sie musikalische Geschichte nicht nur erzählt, sondern mitgestaltet.

Ihre Karriere reflektiert die Entwicklung des Schlagers als kulturelles Phänomen seit den 1960er Jahren und die Fähigkeit einer Interpretin, sich selbst neu zu erfinden und zugleich dem Gefühl von Melodie und Publikumstreue treu zu bleiben. Ein künstlerisches Erbe, das weit über einfache Genrebegriffe hinauswirkt.

Songs von Wencke Myhre

  • 1963 Tenk så deilig det skal bli
  • 1963 Ei snerten snelle
  • 1963 Bli med ut og fisk
  • 1963 Gi meg en cowboy til mann
  • 1964 Ja, ich weiß, wen ich will
  • 1964 Jeg går på skole
  • 1964 La meg være ung
  • 1964 Jeg vet hva jeg vil
  • 1964 Jeg marsjerer ved din side
  • 1965 Sprich nicht drüber
  • 1965 Geht ein Boy vorbei
  • 1965 Alle Mädchen träumen gern
  • 1965 Å-å-å sheriff
  • 1966 Weißes Tuch im blauen Jackett
  • 1966 Beiß nicht gleich in jeden Apfel
  • 1966 Wer hat ihn geseh’n?
  • 1966 Ich schau dich an
  • 1967 Komm allein
  • 1967 Alle Männer alle
  • 1967 Love a’ Gogo
  • 1968 Ein Hoch der Liebe
  • 1968 Flower-Power-Kleid
  • 1968 Die Liebe im allgemeinen
  • 1969 Er steht im Tor
  • 1969 Abendstunde hat Gold im Munde
  • 1970 Wo hast du denn die schönen blauen Augen her
  • 1970 Er hat ein knallrotes Gummiboot
  • 1970 So eine Liebe gibt es einmal nur
  • 1971 Der Mann auf dem Zehnmarkschein
  • 1971 Kasimir
  • 1972 Ich könnte ohne die Liebe nicht leben
  • 1972 Das beste Pferd im Stall
  • 1972 Jeg og du og vi to
  • 1973 Baden mit und ohne
  • 1974 Reden ist Silber – Küssen ist Gold
  • 1975 Erst beim Tango werd’ ich richtig munter
  • 1976 Das wär John nie passiert
  • 1976 Ein Sonntag im Bett
  • 1977 Eine Mark für Charly
  • 1977 Viva Maria
  • 1977 Jemand wartet auf dich (Bernard und Bianca)
  • 1978 Laß mein Knie, Joe
  • 1978 Breite uns’re Decke aus
  • 1979 Verschenkter Sommer
  • 1980 Die Nacht, in der ich mich verlor
  • 1981 Oh no no
  • 1981 Böse Buben
  • 1983 Wir beide gegen den Wind
  • 1983 In San Marino
  • 1985 Keep Smiling
  • 1985 Die Nacht als der Himmel Feuer fing
  • 1993 Wer die Augen schließt (wird nie die Wahrheit seh’n)
  • 1993 Wenn Gott eine Frau wär
  • 1994 Vergeben vergessen
  • 1995 Wo bleibt die Zärtlichkeit
  • 2004 Willst du immer noch mit mir ausgeh’n
  • 2004 Der Wind schreibt Lieder
  • 2005 Manchmal wein ich heimlich
  • 2008 Wir leben
  • 2010 Eingeliebt, ausgeliebt
  • 2010 Dein Herz, mein Herz
  • 2010 Diese Welt ist so schön
  • 2011 Wir haben uns

Alben von Wencke Myhre

  • 1966 Wencke Myhre
  • 1969 Abendstunde hat Gold im Munde
  • 1971 Ra-Ta-Ta
  • 1972 Ich könnte ohne die Liebe nicht leben
  • 1974 Das ist meine Welt
  • 1977 77
  • 1978 Album
  • 1979 So bin ich
  • 1980 Leben
  • 1994 Und ich will Liebe
  • 1996 Wenckes Weihnachten – Wencke Myhre
  • 2002 Viva la Diva
  • 2005 Let’s Swing – Stars im Big-Band-Sound – Simone, Karel Gott, Wencke Myhre, Semino Rossi, Francine Jordi + SWR Big Band
  • 2010 Eingeliebt – ausgeliebt