Chris Roberts

chris roberts, schlagersänger
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Chris Roberts: Eine Stimme zwischen Herzschlag und Melodie

Chris Roberts, mit bürgerlichem Namen Christian Franz Klusáček, wurde am 13. März 1944 in München geboren und war eine prägende Stimme des deutschsprachigen Schlagers der 1970er Jahre. Seine Karriere begann im Beat- und Rock-’n’-Roll-Umfeld als Schlagzeuger, doch bald avancierte er zu einer der prägendsten Schlagerfiguren seiner Zeit.

Mit Hits wie „Du kannst nicht immer siebzehn sein“, „Ich bin verliebt in die Liebe“ oder „Hab ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe“ gelang ihm der Sprung in die Herzen eines breiten Publikums und in die Top-Charts. Neben seiner musikalischen Präsenz war Roberts auch als Schauspieler und Entertainer gefragt. Bis zu seinem Tod am 2. Juli 2017 blieb er dem Genre verbunden, das ihn berühmt gemacht hatte.

Musikalische Herkunft und prägende Einflüsse

Die Wurzeln von Chris Roberts liegen im pulsierenden Sound der frühen 1960er-Jahre: Bevor er zur Schlagerikone wurde, schlug sein Herz für Rock ’n’ Roll und Beatmusik. 1964 spielte er Schlagzeug bei den Blue Rockets, einer Band, die Hits von Buddy Holly, Fats Domino oder den Everly Brothers coverte und so ein Gefühl für Rhythmus, Drive und Live-Energie entwickelte.

Dieser frühe Zugang zu amerikanisch geprägter Pop- und Rockmusik lieferte einen musikalischen Hintergrund, der Roberts’ spätere Schlagerinterpretationen präziser machte. Seine Songs atmeten nicht nur das klassische Gefühl des deutschen Schlagers, sondern waren in ihrer Phrasierung und rhythmischen Struktur auch der zeitgenössischen Popmusik verpflichtet. Er trat somit nicht als bloßer Melodysänger auf, sondern als jemand, der Zeitgeist und musikalische Strömungen begriff und für sein Publikum zugänglich machte.

Künstlerische Entwicklung und zentrale Meilensteine

Der Übergang von der Beat-Szene zum Schlager war für ihn kein Bruch, sondern eine künstlerische Neuausrichtung. 1966 wurde er von dem Produzenten Hans Bertram entdeckt, erhielt einen Vertrag bei der Plattenfirma Polydor, doch die ersten Singles blieben unbemerkt. Erst 1968 gelang ihm mit „Wenn du mal einsam bist” der Durchbruch in den deutschen Charts – ein erster Hinweis darauf, wie seine Stimme und Präsenz im Genre funktionieren würden.

In den frühen 1970er Jahren etablierte sich Roberts kontinuierlich: Lieder wie „Die Maschen der Mädchen“, „Ich bin verliebt in die Liebe“ oder „Hab Sonne im Herzen“ verbinden leichte Melodien mit emotionaler Direktheit – typisch für den Schlager jener Zeit, aber hier mit einer Authentizität, die Roberts einen Platz im kollektiven Gedächtnis sicherte.

Der wohl eindrücklichste Meilenstein kam 1974 mit „Du kannst nicht immer siebzehn sein“ – eine Zusammenarbeit mit Ralph Siegel und Kurt Hertha, die Roberts über Jahre hinweg definieren sollte. Der Song wurde in den deutschen Charts ein langanhaltender Erfolg und eine Art inoffizielle Hymne für Generationen, die sich zwischen Jugendgefühl und Lebensrealität wiederfanden.

Stilistische Ausrichtungen, Genregrenzen und Bühnenformate

Stilistisch lässt sich Roberts nicht auf eine einzige Formel reduzieren. Sein Repertoire umfasste den klassischen Schlager, integrierte aber auch Pop-Elemente und eine gewisse Präsentationsästhetik. Damit avancierte er in der ZDF-Hitparade und anderen Fernsehshows zu einem regelrechten Medienphänomen. Seine warme und direkte Stimme war in ihren besten Momenten kein bloßer Ausdruck von Melodie, sondern eine modulierte Gefühlslandschaft – vertraut, nah und doch berührend.

Im Live-Kontext präsentierte er sich als charismatischer Performer, der sein Publikum nicht nur mit Songs, sondern mit seiner Präsenz fesselte, die weit über eine bloße Bühnenroutine hinausging. Seine Musik fand nicht nur auf Platten, sondern vor allem in Hallen, Tanzsälen und im Fernsehen statt, wo Publikum und Künstler unmittelbar aufeinandertrafen.

Zusammenarbeit mit anderen Künstlern

Roberts’ musikalischer Weg war geprägt von produktiven Kooperationen. Die Zusammenarbeit mit Ralph Siegel etwa verhalf ihm zu seinem größten Hit, der heute fest im Kanon des deutschen Schlagers verankert ist. Insgesamt war Roberts’ Netzwerk eng mit der Szene der 1970er-Jahre verflochten – von Produzenten über Songwriter bis hin zu anderen Künstlern.

Seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 1985 für Luxemburg – gemeinsam mit Künstlern wie Ireen Sheer – zeigt seine Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit. Dies war für Schlagersänger jener Zeit eher untypisch und eröffnete Roberts neue Erfahrungsräume.

Auch im Film setzte er Impulse: Als Darsteller in mehreren Komödien und Unterhaltungsfilmen präsentierte er sein schauspielerisches Talent und erweiterte das Spektrum seiner künstlerischen Wirkung.

Lebenslinien und künstlerisches Vermächtnis

Privat war Roberts, Sohn einer deutschen Mutter und eines jugoslawischen Vaters, lange staatenlos, da ihm nach seiner Geburt in der NS-Zeit die deutsche Staatsbürgerschaft verwehrt wurde. Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 2017 erhielt er den deutschen Pass. Dieses persönliche Thema blieb rhetorisch und emotional eng mit seinem Lebenswerk verknüpft.

Seine Musik hat mehrere Generationen geprägt. Mehr als zwanzig seiner Songs landeten in den Charts, er verkaufte rund elf Millionen Schallplatten und wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit Goldenen Stimmgabeln, Bambis und Bravo-Ottos.

Als Entertainer und Interpret war Chris Roberts mehr als nur ein Schlagersänger. Er war ein Spiegel seiner Zeit und eine Stimme, die sich in den popkulturellen Kontext der 1970er-Jahre einfügte und gleichzeitig eigene Spuren zog. Sein Werk zeigt die Spannbreite eines Genres, das über seine eigenen Klischees hinauswachsen kann – getragen von einer Stimme, die bis heute in Erinnerung bleibt.

Im Leben und Werk des Schlagersängers verdichten sich viele Begriffe, die seinen künstlerischen Weg und sein persönliches Schicksal beschreiben: der Hit „Du kannst nicht immer 17 sein“ als musikalischer Meilenstein einer ganzen Karriere, zahllose Fernsehauftritte, erfolgreiche Platten und ein bewegtes Leben zwischen Bühne und Leinwand. Bereits ab 1963 begann Roberts seine musikalische Laufbahn. Seine Beatmusik-Nummer „Baby’s Gone“ war eine der frühesten Veröffentlichungen unter dem Künstlernamen Chris Roberts, bevor er zum Mädchenschwarm der Siebziger avancierte. Sein größter kommerzieller Erfolg war der von Ralph Siegel produzierte Titel „Du kannst nicht immer siebzehn sein“, der zwölf Wochen lang in den Top 10 stand und bis auf Platz 3 der Charts kletterte.

Mit dieser klassischen Schlager-Formel wurde er zur Schlager-Legende, ein Künstler, der als Sänger, Schauspieler in Schlagerfilmen sowie als Musikproduzent und Liedtexter wirkte. Er war von 1989 bis 2013 mit der Schauspielerin Claudia Roberts verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter, bevor sich ihre Wege trennten. In späteren Jahren trat er beim Eurovision Song Contest 1985 für Luxemburg auf. Mit „Children, Kinder, Enfants“ belegte er gemeinsam mit Ireen Sheer und weiteren Interpreten den 13. Platz. Trotz zahlreicher weiterer Projekte und Veröffentlichungen bis in die frühen 1980er Jahre konnte er an die Erfolge der Siebziger nicht immer anknüpfen.

Die Nachricht von seiner Todesursache – Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) – traf viele überraschend. Roberts hatte seine Krankheit lange geheim gehalten und ist im Alter von 73 Jahren in einer Berliner Klinik verstorben. Er wurde am 2. Juli 2017 im Beisein seiner Familie von der Krankheit besiegt. Sein Tod berührte die deutsche Musikszene. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich sein Wunsch nach deutscher Staatsangehörigkeit erfüllt, die er kurz vor seinem Tod erhielt – ein persönlicher Abschluss eines Lebens, das von Musik, Publikum und unzähligen Auftritten geprägt war.

Songs von Chris Roberts

  • 1966 Baby’s Gone
  • 1967 Ich bin verliebt in die Liebe
  • 1968 Wenn du mal einsam bist
  • 1968 Choo Choo Train
  • 1968 Seit ich dich gesehen
  • 1969 Die Maschen der Mädchen
  • 1969 Der große Hit
  • 1969 Unser Geheimnis geht niemand was an
  • 1969 Vorbei, vorbei
  • 1970 Du bist nicht mit Gold zu bezahlen
  • 1970 Dein Teddybär
  • 1970 Ich mach ein glückliches Mädchen aus dir
  • 1971 Deine Schokoladenseite
  • 1971 Ich bin so happy
  • 1971 Hab’ ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe?
  • 1972 Eine Fuge von Bach
  • 1972 Genauso wie du
  • 1972 Ich weiß, wo die Liebe wohnt
  • 1972 Du ahnst es nicht
  • 1972 Liebe ist gar nicht so schwer
  • 1973 Ein Mädchen nach Maß
  • 1974 Du kannst nicht immer siebzehn sein
  • 1974 Ein Sonntag im Englischen Garten
  • 1974 Man soll die Feste feiern, wie sie fallen
  • 1974 Chiquita Ho
  • 1974 Kesse Küsse
  • 1975 Do You Speak English?
  • 1977 Ich bin nie mehr dein Clown
  • 1979 Komm, leg Deinen Kopf an meine Schulter
  • 1979 Hals über Kopf verliebt
  • 1980 Easy Hours
  • 1980 Ride on a Rainbow
  • 1981 Hörst Du, sie spielen unser Lied
  • 1981 Wir liegen im Gras
  • 1981 Perlen im Champagner
  • 1981 Allein
  • 1982 Mensch Mausi
  • 1983 Ich bin an Deiner Seite
  • 1984 Fantasia
  • 1985 La La La Song
  • 1985 Children, Kinder, Enfants (Eurovision Song Contest für Luxemburg)
  • 1986 So wie du
  • 1990 Ich vermiss‘ Dich (mit Claudia Roberts)
  • 1994 Traumluftballon (mit Claudia Roberts und den Glückskindern)
  • 1997 Sommer, Sonne, Urlaub (Dip Dap) (mit Claudia Roberts)
  • 1997 Manchmal trocknen Tränen eben langsam (mit Claudia Roberts)
  • 2002 Wenn du fühlst, was ich fühl‘
  • 2003 Mein Freund
  • 2012 Was du jetzt nicht siehst

Alben Chris Roberts

  • 1971 Chris Roberts
  • 1971 Die Maschen der Mädchen
  • 1971 Zum Verlieben
  • 1972 Hab’ Sonne im Herzen
  • 1972 Love Me
  • 1973 Eine Freude vertreibt 100 Sorgen
  • 1974 Ein paar schöne Stunden
  • 1974 Du kannst nicht immer siebzehn sein
  • 1975 Ich mach’ ein glückliches Mädchen aus dir
  • 1976 Du wirst wieder tanzen geh’n
  • 1976 Herzlichst, Chris Roberts
  • 1976 Kommst Du zu mir heute abend – Eine romantische Party mit Chris Roberts
  • 1976 Dezember – Fröhliche Weihnachtszeit mit Chris Roberts
  • 1977 Wann liegen wir uns wieder in den Armen
  • 1978 CR
  • 1980 Chris & Friends
  • 1980 Denk’ daran, ich brauche Dich
  • 1982 …und dafür Dankeschön
  • 1984 Hautnah
  • 1994 Traumluftballon (mit Claudia Roberts und den Glückskindern)
  • 1997 Vergiss die Liebe nicht (mit Claudia Roberts)
  • 2002 Momente