Bernd Spier

Bernd Spier
© Jack Metzger – Comet Photo AG, Zürich

Inhaltsverzeichnis

Bernd Spier – Schlagerstar der 60er im Porträt

Bernd Spier gehört zu den Schlagersängern der 1960er Jahre, deren Karriere exemplarisch für eine Epoche des deutschen Pop- und Unterhaltungsschlagers steht. Melodische Leichtigkeit, radiotaugliche Arrangements und jugendliche Ausstrahlung gaben damals den Ton an. Als Sohn eines renommierten Orchestermusikers wuchs er in einem stark musikalisch geprägten Umfeld auf. Früh fand er Zugang zu Bühne, Studio und Rundfunk, feierte mit „Das kannst du mir nicht verbieten“ einen beachtlichen Durchbruch und wurde rasch zu einem bekannten Gesicht der damaligen Schlagerszene. Seine Laufbahn erzählt von Aufstieg und Wandel sowie dem allmählichen Rückzug aus einem Musikmarkt, der sich Ende der 1960er Jahre grundlegend veränderte.

Musikalische Herkunft und frühe Prägungen

Bernd Spier wurde am 6. April 1944 in Ludwigslust geboren und wuchs in einer Familie auf, in der Musik nicht nur Leidenschaft, sondern Beruf war. Sein Vater Robby Spier wirkte als Dirigent des Hessischen Rundfunkorchesters in Frankfurt am Main. Dieses Umfeld ermöglichte dem jungen Bernd früh Einblicke in professionelle Musikarbeit. Er absolvierte Schule und Abitur in Frankfurt und Dieburg und sammelte parallel dazu erste praktische Erfahrungen als Musiker. Besonders prägend war seine Tätigkeit als Backgroundmusiker in der Rundfunksendung Frankfurter Wecker, wo er den direkten Kontakt zum Medium Radio und zu etablierten Entertainern erlebte. Diese Nähe zum Rundfunk öffnete ihm schließlich den Weg zu einer professionellen Karriere.

Der Durchbruch von Bernd Spier im Schlagergeschäft

1963 wurde die Plattenfirma CBS auf den jungen Sänger aufmerksam. Während seine erste Veröffentlichung noch weitgehend unbeachtet blieb, gelang ihm mit der von Hans Bertram produzierten Single „Das kannst du mir nicht verbieten” der entscheidende Durchbruch. Der Titel entwickelte sich zu einer Art Erkennungsmelodie, verkaufte sich millionenfach und katapultierte Spier an die Spitze der deutschen Schlagercharts. In einer Zeit, in der der Schlager von eingängigen Refrains und romantischer Unbeschwertheit geprägt war, traf Spier mit seiner hellen Stimme und jugendlichen Erscheinung den Nerv eines breiten Publikums.

Künstlerische Entwicklung und zentrale Veröffentlichungen

Mitte der 1960er Jahre folgten weitere erfolgreiche Singles wie „Schöne Mädchen muss man lieben”, „Das war mein schönster Tanz” oder „Der neue Tag beginnt”, die seine Position im Musikmarkt festigten. 1964 erschien mit „Danke schön” sein erstes Album, das den typischen Sound dieser Phase bündelte: orchestrale Arrangements, klare Melodieführung und eine deutliche Nähe zur internationalen Easy-Listening-Ästhetik. Gleichzeitig arbeitete Spier auch familiär: Gemeinsam mit seinem Bruder Uwe Spier nahm er 1966 die Single Mir geht’s wunderbar auf – ein Beispiel für die enge Verzahnung von persönlichem und künstlerischem Umfeld.

Stilistische Einordnung und Grenzen des Genres

Bernd Spiers Musik steht exemplarisch für den klassischen deutschen Schlager der frühen 1960er Jahre: gefühlvoll, melodisch und bewusst frei von gesellschaftlicher Provokation. Doch genau diese stilistische Verortung wurde ihm mit dem Aufkommen von Beat, Rock ’n’ Roll und später Psychedelic zum Nachteil. Während sich der Musikgeschmack einer jüngeren Generation veränderte, gerieten seine „weichen” Lieder zunehmend ins Hintertreffen. Ein kurzes Comeback 1969 mit der deutschsprachigen Version von „Pretty Belinda” zeigte noch einmal seine Anpassungsfähigkeit, konnte den langfristigen Trend jedoch nicht umkehren.

Labels, Bühnen und Kollaborationen

Spier blieb während seiner aktiven Zeit eng mit CBS Schallplatten verbunden und arbeitete mit namhaften Produzenten und Arrangeuren zusammen. Auch als Plattenproduzent machte er sich einen Namen: 1966 wurde er zum jüngsten Produzenten des Labels ernannt und betreute unter anderem die Aufnahmen seines Bruders. Live trat er vor allem in Fernsehshows, bei Jugendveranstaltungen und in Tanzsälen auf – Formate, die den Schlager jener Jahre maßgeblich prägten. Große Festivalauftritte im heutigen Sinne spielten in seiner Karriere eine untergeordnete Rolle; vielmehr war es die Präsenz im Rundfunk und Fernsehen, die seine Reichweite bestimmte.

Rückzug aus der Öffentlichkeit und spätere Jahre

Mit dem allmählichen Ende seiner musikalischen Erfolge zog sich Bernd Spier aus dem Rampenlicht zurück. Er lebte in Rödermark und baute sich eine neue berufliche Existenz als Immobilienmakler auf – ein Schritt, der seine pragmatische Haltung gegenüber dem Wandel des Musikmarktes widerspiegelt. Bernd Spier verstarb am 30. Dezember 2017 im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.

Bedeutung und Nachwirkung

Auch wenn Bernd Spier heute nicht mehr im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit steht, bleibt sein Werk ein wichtiges Zeitdokument des deutschen Schlagers. Seine Aufnahmen spiegeln eine Phase wider, in der Musik vor allem Trost, Leichtigkeit und Eskapismus bot. Gerade in dieser Zurückhaltung liegt seine künstlerische Signatur – und der Grund, warum sein Name bis heute in Rückblicken auf die Schlagergeschichte der 1960er Jahre präsent ist.

Der deutsche Schlagersänger Bernd Spier aus Mecklenburg war schon früh in Musik und Rundfunk verwurzelt: Als Sohn des Musikers Robby Spier, der viele Jahre Dirigent des Hessischen Rundfunkorchesters in Frankfurt am Main war, wuchs er in einem künstlerischen Umfeld auf, das weit über gewöhnliche biografische Prägungen hinausging. In der morgendlichen Rundfunksendung „Frankfurter Wecker“ war der junge Spier häufig als Backgroundmusiker zu hören und wurde so von Publikum und Plattenfirmen entdeckt.

Nachdem seine erste Platte „Heut bei mir” 1963 noch zum Misserfolg geriet, gelang ihm mit der Veröffentlichung des von Hans Bertram produzierten Songs „Das kannst du mir nicht verbieten” im Dezember desselben Jahres der entscheidende Durchbruch auf dem Schlagermarkt. Dieser Hit und der Folgelied-Erfolg „Das war mein schönster Tanz” 1965 machten Spier zu einer der prägenden Stimmen des deutschen Schlagers jener Jahre und platzierten ihn regelmäßig in den Charts. 

Sein bürgerlicher Alltag als Schüler der Goetheschule in Dieburg, wo er sein Abitur machte, stand im Kontrast zu seiner Karriere als schillernder junger Interpret mit wildem, rötlichem Haarschopf, der in der ZDF-Hitparade auftrat und mit Songs wie „Der neue Tag beginnt” oder „You Can Never Stop Me Loving” die Radiolandschaft füllte. Doch der Siegeszug der Beatmusik ließ die weicheren Schlagerklänge bald in den Hintergrund treten und Bernd Spier geriet zunehmend aus dem Fokus der Jugendkultur. Ein kleines Comeback 1969 mit „Pretty Belinda”, der deutschen Version des englischen Popsongs, zeigte noch einmal, dass seine Stimme und sein Stil das Publikum erreichen konnten – auch wenn dieser Erfolg längst nicht mehr an die frühen Hits heranreichte. 

Nach dem Abklingen seiner Laufbahn als Schlagersänger wirkte Spier zeitweise als gelegentlicher Produzent, bevor er sich endgültig aus dem Showgeschäft zurückzog und im Rödermarker Stadtteil Waldacker eine bürgerliche Existenz als Immobilienmakler aufbaute. Sein Leben und Wirken spiegeln den Wandel einer ganzen Epoche deutscher Unterhaltungsmusik wider: vom Aufstieg eines jungen Talents über den strahlenden Erfolg in den 1960er Jahren bis hin zum ruhigen Rückzug in ein Leben abseits des Rampenlichts. Bis zu seinem Tod im Dezember 2017 blieb Spier – trotz der sich verändernden Musiklandschaft – eng mit der Musik verbunden, die ihn berühmt gemacht hatte.

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Mehr Informationen
Berns Spier – Das kannst du mir nicht verbieten

Songs von Bernd Spier

  • 1963 Das kannst du mir nicht verbieten
  • 1964 Schöne Mädchen muß man lieben
  • 1964 Memphis Tennessee
  • 1965 Das war mein schönster Tanz
  • 1965 Einmal geht der Vorhang zu
  • 1965 Und dann…
  • 1965 Meine Träume von der Liebe
  • 1966 Der neue Tag beginnt
  • 1966 Wenn erst der Abend kommt
  • 1968 Meine ganze Liebe schenk’ ich dir
  • 1969 Pretty Belinda
  • 1970 Ich bin kein Rosenkavalier
  • 1971 Klopf 3x