Allessa

Allessa, Popschlager-Sängerin
© Lizz Krobath

Inhaltsverzeichnis

Allessa – Poesie des modernen Schlagers zwischen Gefühl und Neuorientierung

In einer Landschaft, die oft von eingängigen Refrains und plakativem Pathos geprägt ist, steht Allessa für eine Form des deutschsprachigen Schlagers, die innere Vielstimmigkeit ebenso reflektiert wie persönliche Authentizität. Als Elke Kaufmann am 2. Januar 1979 in Graz geboren, hat Allessa ihre Karriere über zwei Jahrzehnte hinweg nicht nur mit charttauglichen Melodien, sondern auch mit einer kontinuierlichen Suche nach künstlerischem Ausdruck geprägt – jenseits des rein Massentauglichen und tief im Leben verwurzelt.

Musikalische Herkunft und prägende Einflüsse

Allessas musikalische Wurzeln liegen in einem familiär geprägten Kulturraum und einer frühen, intensiven Beschäftigung mit Sprache und Gefühl. Bereits als Jugendliche gewann sie einen Literaturwettbewerb und zeigte damit eine Empfänglichkeit für narrative Tiefe, die später in ihren Texten wiederkehrte. Ihre erste Bandgründung, die Girlgroup C-Bra Ende der 1990er Jahre, markiert nicht nur den Einstieg in den professionellen Musikbetrieb, sondern zeigt auch den frühen Impuls, Pop-Ästhetik mit persönlicher Stimme zu verbinden. Anschließend führte sie ihre Stimme in Rapublic, eine Popband mit italienischen Coverversionen, deren kommerzieller Erfolg in Österreich ihr die ersten Schritte ins professionelle Musikbusiness ebnete.

Diese Phase, in der sie internationale Pop-Leitmotive mit heimischen Gefühlswelten verband, wurde zu einem prägenden Fundus ihrer späteren Arbeit: eine Mischung aus melodischer Zugänglichkeit und emotionaler Direktheit, die auch ihre spätere Soloarbeit charakterisiert.

Künstlerische Entwicklung und Meilensteine

Mit dem Solovertrag bei Sony BMG Austria im Jahr 2006 begann eine neue Etappe. Ihr Debüt „Samstag Nacht“ (2007) war mehr als ein Einstieg: Es verknüpfte traditionelle Schlagerästhetik mit zeitgemäßem Pop-Schliff und brachte mit „Der Himmel weint heute Nacht“ einen Song hervor, der nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland in die Airplay-Charts einstieg.

2012 folgte das selbstbetitelte Album „Allessa“, das in Österreich Chartplätze erreichte und ihren Status als ernstzunehmende Solokünstlerin bestätigte. „Adrenalin“ (2015) gilt als ihr bislang kommerziell erfolgreichstes Album und zeigt eine Künstlerin, die Klangflächen erweitern und Nuancen von Energie und Verletzlichkeit zugleich ausloten kann.

Auch spätere Veröffentlichungen wie das Best-of-Album „Das Beste“ (2019) oder das 2021 erschienene „Sommerregen“ spiegeln eine konstante Entwicklung wider: vokale Präsenz, erzählerische Stringenz und ein arrangierter Pop-Schlager, der nicht in Formelhaftigkeit verharrt.

Stilistische Ausrichtungen, Genregrenzen und ästhetische Nuancen

Allessas Stil ist ein Hybrid: In der Grundprägung dem Schlager verpflichtet, nähert er sich poppigen und melodisch klar strukturierten Elementen, die gelegentlich über genretypische Komfortzonen hinausweisen. Gerade in ihren balladesken Momenten lässt sich eine Nähe zu Singer-Songwriter-Ästhetiken ausmachen – ein Ruf nach innerer Reflexion, bevor der eingängige Refrain wieder erklingt.

Live setzt Allessa auf Präsenz: Auftritte in Formaten wie dem „ZDF-Fernsehgarten“ oder auf zahlreichen Open-Air-Festivals unterstreichen ihre Fähigkeit, sowohl Intimität als auch große Momente zu bedienen. Es ist keine schlichte Show, sondern eine Performance, die vokale Kraft und textliche Direktheit vereint.

Im Kern ihrer Arbeit steht die Balance zwischen verlässlicher Melodik und dem Bedürfnis nach emotionaler Wahrhaftigkeit – ein Spannungsfeld, das im Schlager oft nur oberflächlich ausgelotet wird und das Allessa aufmerksam verhandelt.

Kooperationen und Netzwerk in der Szene

Allessas Netzwerk umfasst sowohl klassische Schlagergrößen als auch engagierte Songschreiber. Kooperationen wie das Duett „Te ne vai” mit Bernhard Brink, dessen Text sie selbst schrieb, zeigen eine Künstlerin, die musikalische Partnerschaften nicht nur als Feature, sondern als Erweiterung der eigenen Ausdruckskraft nutzt.

Auch Songschreiber wie Nino de Angelo wirkten an größeren Projekten mit, beispielsweise an Songs ihres zweiten Albums, und deuten so auf ein produktives Feld von Austausch und wechselseitiger Inspiration hin. Darüber hinaus engagierte sie sich in sozialen Musikprojekten wie Schlagerstars für Kinder, was den kollaborativen Geist ihrer Arbeit weiter illustriert.

Zwischengeschichte und persönliche Facetten

Parallel zu ihrer musikalischen Karriere verfolgte Allessa eine akademische Laufbahn: Sie studierte Psychologie an der Universität Wien und schloss später ein Studium der Tiermedizin ab. Diese duale Identität als Künstlerin und Wissenschaftlerin erscheint nicht als Widerspruch, sondern als facettenreiche Ergänzung zur künstlerischen Persönlichkeit – ein Subtext, der ihre Musik oft implizit durchzieht.

Im Jahr 2024 kündigte Allessa an, sich vom klassischen Schlager zu lösen und rockigere Pfade mit stärkerer Live-Instrumentierung einzuschlagen. Dies ist ein Hinweis darauf, dass ihre künstlerische Neugier auch nach Jahrzehnten im Geschäft unverändert lebendig ist.

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Alben von Allessa

2007 Samstag Nacht
2012 Allessa
2015 Adrenalin