Jay Khan

Jay Khan, Schlagersänger
© Sven Mandel

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Jay Khan: Vom Boyband-Star zum Schlagerstar

Jay Khan, 1982 als Tariq Jay Khan in London geboren und in Berlin aufgewachsen, ist ein Musiker, Songwriter und Performer. Seine Karriere reicht von der frühen Berühmtheit in einer Pop-Boyband über Genrewechsel bis zu einem eigenständigen Solopfad. Zunächst durch internationale Chart-Erfolge mit US5 geprägt, justiert Khan seit über zwei Jahrzehnten seine musikalische Identität immer wieder neu – vom Pop über deutschsprachigen Schlager bis hin zu autobiografisch durchwirkten Soloalben und Bühnenprojekten. In seiner Arbeit reflektiert er ein Spannungsfeld zwischen kommerziellem Erfolg, persönlicher Verletzlichkeit und der Suche nach künstlerischer Authentizität

Herkunft, frühe Prägungen und die Entstehung eines musikalischen Bewusstseins

Khan, der pakistanisch-britischer Abstammung ist, verbrachte seine ersten Lebensjahre in London, bevor seine Familie nach Berlin zog – eine geografische Verschiebung, die seine Wahrnehmung von Kultur und Popmusik langfristig beeinflusste. Während seine Mutter 1998 mit seinen Geschwistern zurück nach London ging, blieb er bei seinem Vater in Berlin. In dieser Zeit entwickelte sich sein sensorisches Interesse an Musik, das nicht nur vom Radio der 1990er Jahre geprägt war, sondern auch von der Mehrsprachigkeit seines Alltags und der Präsenz unterschiedlicher kultureller Ausdrucksformen.

Zwei Jahre später legte Khan sein Abitur am renommierten Französischen Gymnasium ab und begann anschließend ein Journalismusstudium in England. Diese journalistische Ausbildung schärfte später seinen Blick für Narrative, Strukturen und die Logik von Popkultur – eine Kompetenz, die seine textliche Arbeit erkennbar durchzieht.

Mit 16 Jahren begegnete Khan den Berliner Produzenten Mike Michaels und Mark Dollar vom Triple-M-Team – ein Moment, der seinen Einstieg in die professionelle Musikszene markierte. Der junge Songwriter bewies früh ein feines Ohr für Melodien und Hooklines. Seine ersten substantiellen Credits folgten im Jahr 2003, als er sieben Songs für das Debütalbum It’s Done der Boyband Overground schrieb, darunter der Nummer-eins-Hit „Schick mir ’nen Engel“, der in Deutschland Platinstatus erreichte. Diese Phase formte Khan zu einem Songwriter, der kommerzielle Strukturen versteht, ohne sich ihnen vollständig zu unterwerfen.

Der internationale Erfolg mit US5 und die Mechanik der Popindustrie

Sein öffentlicher Durchbruch begann im Jahr 2005, als Lou Pearlman die Boyband US5 formierte. Khan war dort nicht nur Sänger, sondern fungierte auch als kreativer Kopf. Bandleader, Songwriter, Produzent. Die Debütsingle „Maria“ wurde ein globaler Hit, erreichte Platz eins der deutschen Charts und stieg in den USA in die Top Ten der Billboard-Sales-Charts ein. Bis 2008 folgten neun weitere Top-Ten-Singles allein in Deutschland und die Band verkaufte weltweit über zwölf Millionen Tonträger. US5 war für Khan eine Schule der Performance, des Songwritings unter Hochdruck und der harten internationalen Poplogistik. Diese Erfahrungen sollte er später mit weniger Glamour und mehr analytischer Distanz reflektieren.

Neuorientierung, Soloarbeiten und der Weg in den deutschsprachigen Pop

Nach dem Ende von US5 öffneten sich für Khan neue Räume. 2011 nahm er an der Reality-Show Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! teil und belegte den vierten Platz – ein Aufmerksamkeitsschub, den er nutzte, um sich erstmals als Solokünstler zu positionieren. Seine Single „Nackt” erreichte die deutschen Charts, markierte aber vor allem den Beginn einer Phase der Neujustierung.

2012 folgte mit Jan Trojanowski das Projekt Großstadt Freunde, dessen Debütsingle „Karussell” in den Airplay-Charts punktete. Das Projekt verband deutschsprachige Popstrukturen mit urbanen Themen und mündete in dem Album Wir sind hier (2014). Khan zeigte hier erstmals deutlich, dass er Songwriting nicht nur als Popmechanik, sondern als erzählerisches Werkzeug versteht.

Parallel dazu betrieb er fünf Jahre lang das Berliner Restaurant „Padre e Figlio”, bevor er zwischen 2015 und 2017 im Wintergarten Varieté als singender Conferencier eine weitere performative Facette entwickelte – ein Format, das Musik und Theater miteinander verband und seinen Umgang mit Live-Situationen nachhaltig veränderte.

Schlager, Pop-Hybride und stilistische Neuverhandlung

Ab 2017 wandte sich Khan stärker dem deutschsprachigen Schlager-Pop zu. Mit Singles wie „Dein Bodyguard“, „Sie steht auf Dirty Dancing“ oder später „Casanova“ entwickelte er einen Stil, der zwischen moderner Schlagerproduktion, Pop-Hooks und erzählerischer Direktheit oszilliert. Gemeinsam mit Jenny Marsala stellte er 2018 einen „Schlager-Weltrekord” auf, indem sie 24 ikonische Schlagerhits in einer einzigen Performance verbanden.

Im selben Jahr arbeitete er mit Dschinghis Khan an einer Neuauflage des Klassikers „Moskau“, was seine Bereitschaft zeigt, historische Schlagerästhetik in zeitgenössische Kontexte einzubetten.

Team 5ünf, aktuelle Projekte und die Erweiterung des eigenen Repertoires

2021 gründete Khan gemeinsam mit Marc Terenzi die Gruppe Team 5ünf, die internationale Boyband-Klassiker ins Deutsche überträgt. Das Projekt versteht sich weniger als nostalgische Kopie, sondern als bewusste Rekontextualisierung von Boygroup-Kultur – ein Ansatz, der Khans reflektierten Umgang mit Popgeschichte sichtbar macht.

2022 nahm er an „Promi Big Brother“ teil und erreichte den fünften Platz – ein erneuter Blick auf Khan als Persönlichkeit in medialen Räumen, der jedoch parallel immer von musikalischer Arbeit begleitet war.

Jay Khans Karriere bewegt sich entlang einer Achse, die von transkulturellen Erfahrungen, Realitäten der Popindustrie und individueller künstlerischer Neuverortung geprägt ist. Als Songwriter, Performer und musikalischer Erzähler nutzt er jede Lebensphase als Rohstoff für neue Ausdrucksformen und bleibt damit ein Künstler, dessen Weg sich nicht auf einen Stil, ein Genre oder eine Epoche reduzieren lässt.

Songs von Jay Khan

  • 2017 Dein Bodyguard
  • 2017 Sie steht auf Dirty Dancing
  • 2017 #Geil
  • 2018 Casanova
  • 2018 Moskau, Moskau (Dschinghis Khan feat. Jay Khan)
  • 2018 Löwenherz
  • 2019 Amor (Obsesión)
  • 2019 Hochexplosiv
  • 2024 Mein Stern
  • 2024 Bauchgefühl
  • 2024 Verdammt!
  • 2024 Verdammt! Es weihnachtet
  • 2025 Dieser Kuss
  • 2025 Tausendmal
  • 2025 Maria ’25
  • 2025 Sie, du & ich (mit Anna-Carina Woitschack)
  • 2025 Tariq

Alben von Jay Khan

  • 2025 Verdammt!